🏠 Start > Forum > Bicarbonat Gesamt Co₂ 37

Bicarbonat gesamt CO₂ 37 – zu hoch, gefährlich für die Nieren?

Veröffentlicht in: Bluttestergebnisse 4.723 Aufrufe • 7 Antworten • Letzte Antwort 03. Januar 2026 von Dr_MartinezFernandez_MD
UniqueUsername123 Neues Mitglied 14:23
Hallo allerseits, ich bin total panisch! 😱 Habe gerade meine Blutwerte vom Hausarzt bekommen und da steht Bicarbonat (gesamt-CO₂) = 37 mmol/l! Genau 37! Was bedeutet das bloß? Ich hab solche Angst, dass meine Nieren kaputt sind oder so. 🙏 Normal ist das doch viel niedriger, oder? Habe letztens ein bisschen erbrochen nach 'nem Fest, und nehme manchmal Diuretika gegen Wassereinlagerungen, weil ich öfter Bluthochdruck hab. Aber 37 ist doch gefährlich hoch! Bin ich im Sterben? 😭 Bitte helft mir, ich kann nicht schlafen vor Sorge. Wer hat sowas auch? Bicarbonat 37 genau, das schreit doch nach Notaufnahme! Habe auch Kreatinin 0,9, Kali 3,2 – ist das alles im Zusammenhang? Hilfeeeee, was soll ich tun? Grüße, Anna
NierenPatient88 Forum-Veteran 09:15
> Bicarbonat (gesamt-CO₂) = 37 mmol/l! Genau 37!
Hey @UniqueUsername123, beruhige dich erstmal. Hohes Bicarbonat deutet oft auf Alkalose hin, kann von Diuretika kommen. Bei mir war's mal ähnlich, aber nicht genau 37. Lass Blutgas machen!
LG Max
Angsthasi22 Mitglied seit 2023 21:47
Du bist nicht allein, @UniqueUsername123! ❤️ Habe das auch durchgemacht, Panik pur. Atme tief durch, es ist oft harmlos. Warte auf den Arzt. Kuschelgrüße!
KaliMangel42 Neues Mitglied 11:02
Bei mir war es genau 37 auch! Nach Loop-Diuretika und Erbrechen. Kali war niedrig wie bei dir. Habe Kaliumtabletten gekriegt und viel getrunken – runter auf 28 in 2 Wochen. Keine Panik!
UniqueUsername123 Neues Mitglied 17:36
UPDATE: Bin beim Nephrologen gewesen! Bicarbonat immer noch genau 37 mmol/l. Haben Blutgas gemacht, pH 7,48, pCO2 42. Sagen metabolische Alkalose durch Diuretika. Jetzt Acetazolamid und Kalium. Danke für eure Tipps! 😊
Dr. med. Martinez Fernandez Fachärztin Innere Medizin & Nephrologie • 9+ Jahre Erfahrung Verifizierter Arzt ✓ Verifiziert
BESTE ANTWORT
10:45

Hallo zusammen,
ich bin Dr. med. Martinez Fernandez, Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie mit über 9 Jahren klinischer Erfahrung. Ich habe bereits sehr viele Patienten mit genau diesem Laborwert betreut und möchte Ihnen hier gerne helfen.

Vielen Dank für Ihre offene Schilderung, @UniqueUsername123. Ein Bicarbonat-Wert (gesamt-CO₂) von genau 37 mmol/l (Referenzbereich typischerweise 22–29 mmol/l, je nach Labor) ist eindeutig erhöht und deutet in der Nephrologie primär auf eine metabolische Alkalose hin. Dieser Wert spiegelt das Bikarbonat im Serum wider und ist ein zentraler Parameter des Säure-Basen-Haushalts. Lassen Sie mich das Schritt für Schritt erläutern, basierend auf etablierten nephrologischen Leitlinien.

Pathophysiologie und Interpretation: Die Niere reguliert den Säure-Basen-Status über die Reabsorption und Generierung von Bikarbonat in den proximalen Tubuli sowie H+-Sekretion im distalen Tubulus. Ein Wert von 37 mmol/l signalisiert eine Überschuss an Bikarbonat, was den pH-Wert erhöht (Alkalose). In Ihrem UPDATE erwähnen Sie pH 7,48 und pCO₂ 42 mmHg – das bestätigt eine primäre metabolische Alkalose mit leichter respiratorischer Kompensation (Pco₂ etwas erhöht). Wichtig: Gesamt-CO₂ im Venenblut korreliert eng mit arteriellem Bikarbonat, aber ein Blutgas-Analyse (BGA) ist essenziell für die genaue Klassifikation.

Ursachen (Differentialdiagnose, DDx) – nephrologisch fokussiert:

  1. Chlorid-responsive Alkalose (hypochloremisch, Volumenmangel): Häufigste Form (90 %). Ursachen: Schlechtloop-Diuretika (Furosemid), Erbrechen/Gastroenteritis (Gastricusverlust HCl), posthyperkapnische Alkalose. Niedriges Cl⁻ (
  2. Chlorid-resistente Alkalose: Hyperaldosteronismus (primär/sekundär), Cushing, Liddle-Syndrom, Bartter-/Gitelmansyndrome (tubuläre Defekte, K-Waste). Hohes NaCl-Ausscheidung.
  3. Exogene Ursachen: Bikarbonat-Infusionen, Milch-Alkali-Syndrom (Antazida + Kalzium), Zitrat (in Dialyse).
  4. Seltene nephrologische: Hypertrophe Hypokalämische Nephropathie, Niereninsuffizienz mit Kompensation (aber GFR bei Krea 0,9 normal), Refeeding-Syndrom.
  5. Differenzialdiagnostisch ausschließen: Kompensierte chronische respiratorische Azidose (hohe Pco₂ erwartet), Lab-Error (wiederholen!).

Ihr Bild (Diuretika, Erbrechen, Hypokaliämie) passt klassisch zur chlorid-responsiven Form. Andere User: „Bei mir genau 37“ – typisch bei Diuretika-Missbrauch oder Bulimie.

Nächste Schritte/Diagnostik:

  • Unverzüglich: Arterialisiertes BGA (pH, Pco₂, Pao₂, Base Excess), Elektrolyte (Na, K, Cl, Mg, Ca, Phosphat), Anionenlücke (AG = Na - (Cl + HCO₃); bei 37 niedrig → non-AG-Alkalose).
  • Nierenfunktion: Krea-Clearance/GFR (CKD-EPI), Urin-pH, Urin-Cl⁻ (30 mmol/l bei mineralokortikoider Alkalose).
  • Anamnese: Medikamente (Diuretika, PPI?), Erbrechen, Laxanzien, Hypertonie (Aldosteron-Antagonisten?).
  • Bildgebung: Nieren US bei Verdacht CKD/Hydronephrose.
  • Weiteres: Renin/Aldosteron (Lageparameter), 24h-Urin bei Bedarf.

Management/Therapie:

  • Akut (Symptome: Muskelschwäche, Arrhythmien): Volumensubstitution NaCl 0,9% (2–3 l/Tag) bei Volumenmangel – senkt Bikarbonat um 3–5 mmol/l pro Liter. Kaliumsupplement (KCl 40–100 mmol/Tag i.v./p.o., Ziel K>4 mmol/l).
  • Ursachenbeseitigung: Diuretika pausieren/ersetzen (z.B. durch spironolacton), Antiemetika. Bei PPI-exzessivem Missbrauch absetzen.
  • Schwerpunkttherapie: Acetazolamid (250–500 mg/Tag) fördert bikarbonaturische Diurese (bei eGFR>30 ml/min). Bei refraktärer: HCl-Infusion (selten, nephrologisch überwachen).
  • Chronisch: Ursachenkorrektur (z.B. Aldosteron-Antagonist bei Hyperaldosteronismus), Ernährung (ausreichend Cl⁻).
  • Überwachung: Täglich Elektrolyte/BGA bis Normalisierung (Ziel HCO₃ 24–28 mmol/l).

Prognose: Exzellent bei chlorid-responsiver Form (>95 % Normalisierung in Tagen–Wochen mit Therapie). Schlechter bei malignem Hyperaldosteronismus oder CKD Stadium >4. Komplikationen (Tetanie, Arrhythmien) vermeiden durch schnelle Korrektur. Langfristig: Nieren schützen (Blutdruckkontrolle, Diuretika-Optimierung).

Falls Symptome (Tetanie, Parese): Sofort Notaufnahme! Konsultieren Sie immer persönlich Ihren Nephrologen – Foren ersetzen keinen Arztbesuch.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. med. Martinez Fernandez
Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie

Dr. med. Martinez Fernandez
Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie

Renefan2023 Mitglied seit 2023 08:12
> Ein Bicarbonat-Wert ... 37 mmol/l ist eindeutig erhöht
Vielen Dank @Dr_MartinezFernandez_MD! Das erklärt alles. Habe ähnlich mit Diuretika. Super detailliert! ❤️
Liebe Grüße, Steffi
BlutwertExperte Forum-Veteran 15:30
Danke Dr. med. Martinez Fernandez für die tolle Erklärung. Bei mir war Bicarbonat 37 durch Furosemid, jetzt stabil mit Spiro.

Medizinisch geprüft: 3. Januar 2026 von Dr. med. Martinez Fernandez

Medizinischer Hintergrund

Dieser Beitrag spiegelt persönliche Erfahrungen und Fragen wider. Eine allgemeine medizinische Einordnung finden Sie hier:

Bicarbonat-Wert – medizinischer Überblick