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Harnstoff 111 extrem hoch! Panik, was tun?

Veröffentlicht in: Bluttestergebnisse 4.823 Aufrufe • 7 Antworten • Letzte Antwort 06. September 2025 von Dr_CerecedaCoto_MD
UniqueUsername123 Neues Mitglied 14:23
Hallo zusammen, ich bin total panisch! 😭🙏 Heute war ich beim Hausarzt zur Blutabnahme und mein Harnstoff-Wert ist EXAKT 111 mg/dl! Das kann doch nicht stimmen, oder? Normal ist das doch unter 50 oder so? Ich hab solche Angst, dass meine Nieren kaputt sind! Harnstoff 111, das klingt so schlimm! 😱 Ich trinke genug, esse auch normal, keine Medikamente, aber vielleicht Dehydration von letzter Woche Urlaub? Oder Krebs oder so? Hilfeeeee, was bedeutet Harnstoff 111 bloß? Hab noch Kreatinin 1,2, aber der Arzt hat nur gesagt, weiter beobachten. Ich kann nicht schlafen vor Sorge! Jemand mit Harnstoff 111 der mir sagt, dass es gut wird? 🙏😭 Bin 42, männlich, kein Diabetes, aber Raucher. Was soll ich jetzt tun? Panik total! Harnstoff 111 ist das lebensgefährlich? Erzählt mir eure Geschichten!
NierenFreundin88 Forum-Held 15:47
Oh @UniqueUsername123, du bist nicht allein! ❤️ Hab das auch durchgemacht, als mein Harnstoff plötzlich hochkam. Atme tief durch, es ist oft harmlos wie Dehydr. oder Infekt. Geh zum Nephrologen, der klärt das. Drück die Daumen! 💕

Liebe Grüße, Lena

BlutwertProfi Seniormitglied 09:12
> Harnstoff 111 mg/dl!
Bei mir war es genau 111 auch! Vor 2 Jahren nach Durchfallerkrankung. War prärenale Azotämie durch Dehydration. Nach Flüssigkeit i.v. runter auf 35. Kein Nierenschaden. Lass Kreatinin Clearance checken und Urin.
GesundheitFan42 Neues Mitglied 18:56
@UniqueUsername123 Habe ich gegoogelt: Harnstoff 111 deutet auf Nierenprobleme hin. Trink viel Wasser, iss wenig Protein. Warte auf Arzt! Bei mir war's GI-Blutung.
UniqueUsername123 Neues Mitglied 11:30
UPDATE: Bin zum Nephrologen gewesen. Neuer Test: Harnstoff immer noch 111 mg/dl, Kreatinin jetzt 1,5. Er macht Ultraschall nächste Woche. Immer noch ängstlich! 😰 Danke für eure Tipps!

LG Max

PatientenHelferin Forum-Held 20:14
> UPDATE: ... Harnstoff immer noch 111
@UniqueUsername123 Super, dass du handelst! Könnte postrenal sein, wenn Prostata oder Stein. Viel Flüssigkeit und low-protein Diät bis Ultraschall. Wird gut! ❤️
Dr. med. Cereceda Coto Facharzt Innere Medizin & Nephrologie • 22+ Jahre Erfahrung Verifizierter Arzt ✓ Verifiziert
BESTE ANTWORT
10:45

Hallo zusammen,
ich bin Dr. med. Cereceda Coto, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie mit über 22 Jahren klinischer Erfahrung. Ich habe bereits sehr viele Patienten mit genau diesem Laborwert betreut und möchte Ihnen hier gerne helfen.

Zunächst einmal: Ein Harnstoffwert von exakt 111 mg/dl (ca. 18,6 mmol/l) ist deutlich erhöht (Referenzbereich typischerweise 15–45 mg/dl bei Erwachsenen). Dies wird als Azotämie bezeichnet und deutet auf eine Störung im Harnstoffstoffwechsel hin, die primär mit der Nierenfunktion zusammenhängt. Harnstoff entsteht aus dem Proteinabbau in der Leber und wird normalerweise von den Nieren filtriert und ausgeschieden. Ein Wert von 111 mg/dl signalisiert, dass die Nieren entweder zu wenig filtern oder dass zu viel Harnstoff produziert oder resorbiert wird.

Differentialdiagnostik (DD): Die Ursachen lassen sich in prärenale, renale und postrenale Azotämie unterteilen:

  • Prärenal (ca. 60–70 % der Fälle bei erstmaliger Erhebung): Verminderte Nierendurchblutung durch Hypovolämie (Dehydration, Durchfall/Erbrechen, Blutung), Herzinsuffizienz, Sepsis oder Medikamente (z. B. ACE-Hemmer, NSAID). Hier steigt Harnstoff stärker als Kreatinin (Verhältnis BUN/Kreatinin >20:1).
  • Renal (intrinsisch, 20–30 %): Akutes Nierenversagen (AKI) durch Ischämie, Nephrotoxine, Glomerulonephritis, Interstitielle Nephritis oder chronische Nierenerkrankung (CKD Stadium 3–5). Bei CKD oft graduell ansteigend.
  • Postrenal (5–10 %): Harnwegsobstruktion (z. B. Harnsteine, BPH bei Männern, Tumore). Bilateral oder bei Einzelniere.
  • Seltene Ursachen: Gastrointestinale Blutung (erhöhte Proteinresorption), Tetracykline, Kortison, hochproteinhaltige Diät, Katabolismus (Trauma, Steroide).

Interpretation im Kontext: Bei Ihnen (aus OP: Kreatinin 1,2–1,5 mg/dl, männlich 42 J., Raucher) liegt ein milder Anstieg vor, was auf Stadium 2 AKI oder frühe CKD hindeutet (eGFR ca. 50–70 ml/min, CKD-EPI-Formel). Rauchen fördert vaskuläre Schäden. Kein Diabetes erwähnt, aber Hypertonie ausschließen.

Nächste diagnostische Schritte (sofort umsetzen):

  1. Labor: Wiederholung Harnstoff/Kreatinin, Elektrolyte (Hyperkaliämie?), Harnstoff/Kreatinin-Verhältnis, Cystatin C, eGFR, Urinstix (Proteinurie, Hämaturie), Urinvolumen/Proteinquotient, Blutbild, CRP, Blutgas (Azidose?).
  2. Bildgebung: Nieren-US (Größe, Hydronephrose, Parenchymdicke), ggf. CT/MRT bei Verdacht auf Obstruktion/Tumor.
  3. Weiteres: Anamnese (Flüssigkeitsbilanz, Medis, Symptome: Oligurie, Ödeme, Dyspnoe), 24h-Urin (Klärung).

Management (ursachenorientiert):

  • Prärenal: Volumengabe (kristalloide 1–2 l/Tag), Ursache beheben (z. B. Antiemetika bei Erbrechen). Ziel: Diurese >0,5 ml/kg/h.
  • Renal: AKI: Supportiv (Flüssigkeitsbalance, vermeide Nephrotoxine), Dialyse bei Indikation (K+>6,5 mmol/l, Azidose pH
  • Postrenal: Urgent Katheter/Intervention (z. B. DJ-Stent).
  • Allgemein: Low-Protein-Diät (0,8 g/kg/Tag), Flüssigkeitszufuhr 2–3 l/Tag (bei Anurie anpassen), Rauchstopp, Gewichtskontrolle. Medikamente: Protonenpumpenhemmer bei GI-Risiko.

Prognose: Bei prärenaler Ursache exzellent (Normalisierung in 24–72 h). Renal: AKI reversibel in 70 %, CKD progressiv ohne Therapie (ESRD-Risiko 5–10 %/Jahr). Postrenal gut bei schneller Dekompression. Regelmäßige Kontrollen essenziell. In meiner Praxis normalisieren sich 80 % der Fälle >100 mg/dl nach Korrektur.

Konsultieren Sie umgehend einen Nephrologen – das Forum ersetzt keinen Arztbesuch!

Dr. med. Cereceda Coto
Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. med. Cereceda Coto
Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie

Medizinisch geprüft: 6. September 2025 von Dr. med. Cereceda Coto

Medizinischer Hintergrund

Dieser Beitrag spiegelt persönliche Erfahrungen und Fragen wider. Eine allgemeine medizinische Einordnung finden Sie hier:

Harnstoff-Wert – medizinischer Überblick